Galerie- und Künstlerhaus Spiekeroog

Kirche: Aufbruch statt Abbruch

Medienpastor Jürgen Fliege bei der 4. Spiekerooger Runde im Galerie- und Künstlerhaus


Spiekeroog – „Pastoren sollten sich wieder als lebendige Glaubensvermittler betätigen und nicht Museumsverwalter spielen“, kritisierte der medienbekannte Pastor Jürgen Fliege seine Kollegen auf der 4. Spiekerooger Runde im Galerie- und Künstlerhaus Spiekeroog, moderiert von Ita Niehaus. Zum Thema „Party statt Predigt – Ausverkauf der Gotteshäuser?“ diskutierte er gemeinsam mit Schwester Jordana („Wort zum Sonntag“) und dem Theologen Marcus Nitschke, der sich mit seinem Architekturbüro auf die Umnutzung von Kirchenräumen spezialisiert hat. Alle drei waren sich darin einig, dass in der derzeitigen Krise der Kirche die Chance für einen Neuanfang liegt.


      

      


Die christlichen Gemeinden in Deutschland haben längst erkannt, dass die Kirche vielerorts als spirituelle Stätte ausgedient hat. Die Folgen sind gravierend. Allein 700 Gotteshäuser der katholischen Kirche droht in den nächsten Jahren das Aus. Jede dritte Kirche in Deutschland ist betroffen. An Ideen für Umnutzungskonzepte der Räume mangelt es nicht; doch der Erfolg solcher Ideen ist äußerst zweifelhaft, weiß Marcus Nitschke, der Kirchenschiffe schon zu Discos und Rechenzentren umfunktioniert hat. Er sieht die Talsohle noch längst nicht erreicht, versteht sich jedoch nicht als Totengräber der Kirche.
 
Wie sein Kollege Pastor Fliege hat Nitschke keine Scheu vor ungewöhnlichen Denkmodellen, wie die gemeinsame Nutzung von Gotteshäusern durch unterschiedliche Konfessionen. Fliege verweist auf die Kirchen als spirituelle Oasen in den Städten: „Sie sind die Summe dessen, was Jahrhunderte lang in ihnen stattfand: Orte des Lebens und Sterbens, der großen Gefühle.“
 
Die bekannte Ordensschwester Jordana favorisiert das Konzept „Party und Predigt“ und wünscht sich mehr Mut in den Gemeinden, um den alten Häusern neues Leben einzuhauchen. Die Diskussion wurde von den 130 Besuchern lebhaft begleitet und nach dem offiziellen Teil in kleinen Zirkeln mit den prominenten Gästen fortgesetzt.



          

         
  

Der Erlös der Talkrunde geht an die Beluga School for Life, einem Hilfsprojekt für Tsunami-Opfer in Thailand.