Galerie- und Künstlerhaus Spiekeroog

Der Untergang des Abendlandes findet nicht statt

3. Spiekerooger Runde mit Ulrich Wickert und Christine Westermann
im Galerie- und Künstlerhaus



Spiekeroog (28.07.2008) – Journalisten und Linguisten als Gralshüter der deutschen Sprache gegen eine Jugend, die ihre Unterhaltungen kräftig mit Anglizismen würzt: So deutlich, wie es auf den ersten Blick schien, waren die Seiten dann doch nicht verteilt bei der 3. Spiekerooger Runde im Galerie- und Künstlerhaus auf der grünen Insel. An der Talkshow unter dem Titel „Voll krass, ey – ist die deutsche Sprache noch zu retten?“ nahmen unter anderem Ulrich Wickert und Christine Westermann teil.


      


Während „Mr. Tagesthemen“ beim Blick über den Tellerrand dem französischen Gesetz zur Sprachreinheit durchaus eine gewisse Sympathie abgewinnen kann, verlässt sich Christine Westermann („Zimmer frei!“) lieber auf ihr feines Sprachgefühl. Ein Dorn im Auge sind der Hörfunk- und Fernsehjournalistin besonders jene Kollegen, deren schwülstige Texte niemand versteht.

Nicht leicht zu verstehen, dafür aber mit einem höchst beeindruckendem Sprachgefühl ausgestattet, versetzte der aktuelle Poetry Slam-Vizeweltmeister Sebastian 23 nicht nur die Diskussionsteilnehmer, sondern auch die mehr als 200 Gäste im randvoll besetzten Forum mit einer Kostprobe seines Könnens in großes Staunen. Ihm gelang damit die Differenzierung zwischen einer Sprache, mit der etwas deutlich ausgedrückt werden soll, und jener Szenesprache, die mit Absicht nur Eingeweihten zugänglich ist.


      
  

In Privatdozent Dr. Jochen Bär von der Universität Heidelberg fand Sebastian 23 einen Mitstreiter, der vom Untergang des Abendlandes nichts wissen wollte: „Es sind nur jene beleidigt, die einmal mühselig ein anderes Deutsch gelernt haben als jenes, das heute gesprochen oder geschrieben wird.“ Der einstige Leiter des Sprachberatungsdienstes der Gesellschaft für deutsche Sprache verwies auf ein Spätneuhochdeutsch, das 1968 Einzug gehalten hat und der Grammatik keinen hohen Stellenwert mehr beimisst. Sprachwandel statt Sprachverfall hieß das Fazit des Abends, dessen Erlöse der Beluga School for Life für die Tsunami-Opfer im Süden Thailands zugute kommen.